2. Medienverbunddidaktik & Intermediale Lektüre

Seminarsitzung 2

Medienverbunddidaktik & Intermediale Lektüre

Zusammenfassung

Ein zentrales Element im Umgang mit kinder- und jugendliterarischen Medienverbünden ist die sog. intermediale Lektüre und das damit verbundene intermediale Lektüregespräch. Angelehnt an die Prinzipien eines literarischen Gesprächs wird zu einer Medienmontage über Verstandenes, Unverstandenes, Irritationen und Deutungen gesprochen. Die Studierenden sollen in dieser Sitzung die Konzepte erproben und anschließend theoriebasiert reflektieren.

Zielkompetenzen

Die Studierenden erleben eine intermediale Lektüre anhand ausgewählter Szenen aus „Rico, Oskar und die Tieferschatten“.

Sie vollziehen die dahinterliegenden Entscheidungen einer Lehrkraft für eine intermediale Lektüre nach.

Sie identifizieren die wichtigsten Prinzipien eines literarischen Gesprächs/intermedialen Lektüregesprächs.

Gestaltungsvorschlag

Vorbereitung des Raums

Stuhl-Halbkreis vor einer Leinwand.

 

Das ausführliche Seminarkonzept, Druckvorlagen und weitere Materialien können Sie am Ende dieser Seite downloaden.

Foto der Universität Passau unter CC-BY 4.0 Lizenz https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/

Phase 1: Ankommen und Einstimmen

Ca. 5 min

Hinführung zum Thema der Sitzung: Intermediale Lektüre; Medienverbund: „Rico, Oscar und die Tieferschatten“ (am Beispiel zeigen)

Darstellung der Ziele dieser Sitzung: (s.o.)

Hinführung zur intermedialen Lektüre (Rollendefinition):

Erläuterung des folgenden Vorgehens:

Wir werden im Folgenden eine intermediale Lektüresituation erleben. Ich lade Sie ein, sich auf dieses Experiment einzulassen und zunächst einmal in der Rolle der Lernenden/Schüler*in zu denken und zu agieren. Auch ich werde die Rolle der Lehrkraft einnehmen und aus dieser heraus im Folgenden das Gespräch moderieren.

Wir versuchen zunächst dieses Erlebnis in diesen Rollen zu durchlaufen. Anschließend werden wir auf einer Meta-Ebene das Erfahrene – und die Theorie dahinter – besprechen.

Ich werde Sie natürlich sprachlich nicht als Kinder behandeln und Sie nutzen gerne Ihr studentisches Vorwissen. Dennoch begeben wir uns zunächst in dieser Lernsituation in die Rolle der Lernenden und der Lehrkraft. Sind Sie damit einverstanden?

 

Phase 2: Intermediale Lektüre erleben (Textbegegnung)

Ca. 30 min

Es wird eine Medienmontage anhand ausgewählter Szenen aus dem Medienverbund gezeigt und moderiert. Diese Situation der intermedialen Lektüre kann unterschiedliche thematische Fokusse einnehmen: z.B. die Einführung der Figuren Rico und Oskar mit Bezug zur Darstellung der ‘Tiefbegabung’ und zum Thema ‘Anderssein’ oder die Fokussierung auf “Rico” als Detektivgeschichte. 

Die ausgewählten Szenen werden von der Dozentin oder dem Dozent durch Übergangsmoderationen verknüpft und durch Impulsfragen wird den Lernende Gelegenheit gegeben, sich zu den Eindrücken zu äußern.

Exemplarische Impulsfragen:

Welches Gefühl hatten Sie beim Ansehen des Films? (Jeder reihum nennt ein Gefühl bzw. ein Adjektiv)

Was fanden Sie auffällig/ansprechend/irritierend bzgl. der Gestaltung? (Kamera, Ton, Bilder, Farben etc.) 

Was war für Sie besonders ansprechend? Was war irritierend?

In dem beigefügten Seminarkonzept werden zwei Medienmontagen und dazugehörige intermediale Gesprächssituationen entwickelt.

Phase 3: Intermediales Lektüregespräch

Ca. 30 min

Gesprächseröffnung:

Hier geht es darum, die Gesprächsform zu erläutern und individuelle Eindrücke, Fragen, Verstehensschwierigkeiten etc. zu fixieren. Hierzu beschriften die Studierenden zu drei Impulsen je eine Moderationskarte (für Moderationsvorschläge und Impulse siehe ‘Seminarkonzept’) 

Die Moderationskarten dienen als ‚Motor‘ des folgenden Gesprächs. Bringen Sie diese immer dann ein, wenn es passend ist. Legen Sie die Karten dann als Impuls in die Mitte.

Gesprächsverlauf:

In dem Gespräch werden Gemeinsamkeiten, Unterschiede, intermediale Bezüge und Deutungsansätze diskutiert. Gleichzeitig ist Raum für Irritationen, Fragen und individuelle Assoziationen. Im offenen Austausch fungiert die Lehrkraft als Moderator*in und Gesprächsteilnehmer*in, indem sie zusammenfasst, auf Textbezug beharrt, eigene Gedanken einbringt und ggf. pointiert.

Die Studierenden bringen sich proaktiv ein, reagieren auf Äußerungen und Moderationskarten:

  • Kombination aus individuellem Textverstehen/eigene Deutungsansätze und individuelle Wahrnehmungen, Imaginationen, Emotionen
  • Raum für kontroverse Diskussion
  • Gemeinsam erste Besonderheiten und Gemeinsamkeiten der medialen Darstellungen greifbar machen
  • Über spannende Fragen/Impulse der Lernenden sprechen
  • Deutungsansätze immer auf Text/Medium rückbeziehen lassen
  • „Es können mehrere Interpretationen […] gleichberechtigt nebeneinander stehen, solange sie bezüglich der Textintention plausibel erscheinen.“ (Albrecht, 2018, S. 323)

Für weitere Gesprächsimpulse siehe Seminarkonzept. Ein Beispiel:

Rico vergleicht seine Tiefbegabung mit einer Bingotrommel, aus der hin und wieder Kugeln herausfliegen. Welches Bild/welcher Vergleich wäre für Oskars Hochbegabung passend?

Gesprächsende:

Zusammenfassender Rückblick  (jeder sagt zu einer der Fragen etwas):

  • Worüber haben wir gesprochen?
  • Was habe ich mitgenommen?
  • Worüber würde ich jetzt gerne noch weiter sprechen oder nachdenken?

Phase 4: Vertiefung: Reflexion zum intermedialen Lektüregespräch/literarischen Gespräch

ca. 20 min

In dieser Phase geht es darum, die Erfahrungen aus dem intermedialen Lektüregespräch theoretisch zu fundieren und auf einer Metaebene zu reflektieren. Inhalte und Schaubilder, die Sie für eine Präsentation verwenden können, finden Sie in dem Seminarkonzept.

 

Eine Medienmontage arrangieren

Hintergrundinformationen
Das zentrale Element der Medienverbunddidaktik nach Iris Kruse ist die intermediale Lektüre (IML). Hierbei geht es um eine Gestaltung eines Lehr-/Lernarrangements, in welchem die verschiedenen Medien integrativ und in gekonnter Medienmontage angeboten werden. Aufgabe der Lehrkraft hierbei ist es, die Medien so zu kombinieren, dass dadurch die Erarbeitung, Durchdringung und Bewertung von Inhalt und Form des Verbunds herausgefordert wird. Dabei gibt es vielfältige Formen, eine Medienmontage zu arrangieren. Je nach didaktischem Ziel und Vorwissen der Lernenden (z.B. bzgl. Strategien zur Analyse von Handlung, Figur, Raum, Zeit, etc.), muss das „intermediale Verweisnetz" verzahnt, ausgedehnt oder perspektiviert werden. So genannte „Übergangsmoderationen" zwischen den einzelnen Medien, sollen für kohärenzstiftende Verbindungen sorgen: Die beteiligten Medien werden in der intermedialen Lektüre also nicht als Ganzes, sondern in jeweiligen Auszügen rezipiert, die so miteinander verbunden (montiert) werden, dass sich daraus eine kohärent erzählte Geschichte auf der Basis der intermedial verwobenen Rezeptionseindrücke ergibt. Gleichzeitig sollen durch bewusst geförderte Differenzerfahrungen, Anknüpfungspunkte für didaktische Anschlusshandlungen gesetzt werden. (Kruse, 2020)

Der Lehrvortrag und das Gespräch im Plenum beinhaltet:

  • Wie plane ich als Lehrkraft eine intermediale Lektüre? 
  • Welche Entscheidungen sind bei der Medienmontage zu treffen?
  • Welche Rolle nimmt die Lehrkraft in der intermedialen Lektüre und dem Gespräch ein?
  • Was ist die Grundstruktur eines intermedialen Lektüregesprächs?

Phase 5: Auswerten und Abschließen

Ca. 5 min

 

Raumaufstellung zwischen zwei im Raum fixierten Polen. Die Studierenden positionieren sich zu den folgenden Fragen/Aussagen und einzelne werden gebeten, ihre Positionierung zu begründen.

  • Ich kenne wichtige Potenziale eines Einsatzes von kinder- und jugendliterarischen Medienverbünden im Unterricht. (1 = stimme gar nicht zu; 10 = stimme voll zu)
  • Wenn ich mit Medienverbünden im Unterricht arbeiten will, weiß ich, was ich als Lehrkraft zu tun habe.
  • Wie wahrscheinlich ist es, dass Sie in Ihrem Unterricht zukünftig auch mit Medienverbünden (statt nur mit dem Buch) arbeiten werden? (1 = gar nicht wahrscheinlich; 10 = sehr wahrscheinlich)

Seminarabschluss.

Mögliche Szenarien zur Weiterarbeit

Adaption und Anpassung für den individuellen Zweck

 „Rico“ vor der Folie „Detektivgeschichte“ diskutieren:

Z.B.:

  • Merkmale von Detektivgeschichten
  • Ist “Rico” eine Detektivgeschichte? Was spricht dafür? Was dagegen?
  • Didaktische Impulse zur Arbeit mit “Rico” als Detektivgeschichte
  • “Rico” als Genremix
  • Diskussion zentraler Themen im Medienverbund (Freundschaft, Anderssein etc.)

Vergleichen der wichtigsten Prinzipien eines literarischen Gesprächs mit einem intermedialen Lektüregespräch (nach Kruse, 2014 und Albrecht, 2018). Z.B.

  • Erstellen einer SWOT-Analyse zum literarischen und intermedialen Lektüregespräch (Welche Stärken hat das Konzept? Welche Schwächen? Welche Chancen? Welche Gefahren lauern?)
  • Gemeinsamkeiten und Unterschiede diskutieren.

Analyse einer Teilfacette literarischer Kompetenz am Medienverbund „Rico“ (z.B. Figurenanalyse, Raumsemantik, gestalterische Mittel) anhand ausgewählter Szenen.

Z.B.: 

  • Eine zentrale Figur / die räumliche Ordnung / sprachliche/gestalterische Mittel etc. analysieren, wobei pro Arbeitsgruppe ein anderes Medium untersucht wird.
  • Anschließend Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Medienverbund diskutieren.

Resümee über Medienverbunddidaktik und Entwurf möglicher Klausuraufgaben zu dem Thema unter Berücksichtigung der Aufgabentheorie.

Z.B.: 

  • Was unterscheidet eine Lern- von einer Leistungsaufgabe?
  • Welche drei Punkte zum Thema Medienverbunddidaktik würden Sie sich gerne bis zum Examen merken?
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