SKILL.de auf dem Semiotik-Weltkongress in Thessaloniki

Vortrag über Information and Media Literacy in der Lehrkräftebildung

COVID-19 konnte dem Rhythmus des Semiotik-Weltkongresses nichts anhaben. Alle drei Jahre kommen die Semiotiker*innen der Welt zum Austausch zusammen. Das letzte Mal 2019 in Buenos Aires, nun, 2022 in Thessaloniki. Ich bin von der Universität Passau angereist, um über die semiotischen Implikationen der Information and Media Literacy zu sprechen.

Die Universität Macedonia in Thessaloniki – Tagungsort des 15. Weltkongresses der Semiotik

Information and Media Literacy bezeichnet ein Set aus Fähigkeiten, das auf den Umgang mit medialen Informationen abzielt: Wie wir Informationen wahrnehmen, recherchieren, Medien rezipieren und selbst darin und damit agieren. Der Annahme folgend, dass wir in der mediatisierten Gesellschaft die Welt vornehmlich medial vermittelt wahrnehmen, ist es nicht nur für Lehrkräfte essenziell, aber für diese besonders wichtig, kompetent im Umgang mit (digitalen) Medien zu sein. Denn Lehrkräfte – egal welchen Fachs – gehen tagtäglich mit Texten um, sei es in Form von sprachlichen Texten in Lehrbüchern oder Aufgaben, Bildern, Grafiken, Filmen, etc. Es reicht allerdings nicht aus, Programme bedienen und Medien didaktisch kompetent einsetzen zu können. Lehrkräfte müssen zudem information and media literate sein. Also in einem weiten Sinn, Medien „lesen und schreiben“ können. Dies umfasst auch deren Rolle, wenn es um Bedeutungskonstruktion und -kommunikation geht.

Der Weltkongress stand unter dem Thema “Semiotics in the Lifeworld” – zielte also konkret auf den praktischen Nutzen der Semiotik ab

Von einem semiotischen Standpunkt aus sind Medienprodukte egal welcher Art Texte, die als solche Bedeutung transportieren. Semiotik, die Wissenschaft vom Zeichen, beschäftigt sich damit, wie Bedeutung gesendet, transportiert und rezipiert wird. Und dies nicht nur in der Sprachwissenschaft oder in der Medienwissenschaft, sondern transdisziplinär: Auf dem Weltkongress tummeln sich Architekt*innen, Politikwissenschaftler*innen, Pädagog*innen uvm.

Im Panel Language/Education durfte ich am 31.8.2022 den Vortrag „Edusemiotics: Semiotic competences and Information and Media Literacy in educational context“ halten. Dort habe ich die Arbeit von IML-Basic aus dem SKILL.de-Projekt an der Universität Passau vorgestellt und in den passauer Ansatz der Information and Media Literacy eingeführt. Besonders lag mir am Herzen, die semiotischen Implikationen der Konstruktivität und Kulturalität von Medien herauszustellen, denn wir alle sind ständig dabei, unsere Umwelt zu interpretieren. Nur so können wir uns darin bewegen und agieren.

Die zentrale Vortragsfolie stellt den passauer Zugang zur Information and Media Literacy vor

Mir war außerdem wichtig, dass es eine Ausnahme darstellt, einen Vortrag über semiotische Kompetenzen und Information and Media Literacy zu halten. Sehr viel lieber hätte ich für die Teilnehmenden aus aller Welt einen Erfahrungsraum kreiert, in dem sie selbst über ihren Zugang zu und Umgang mit Informationen und Medien reflektieren, Medienprodukte analysieren und vielleicht sogar produktiv die Bedeutung von Texten verändern und darüber ins Gespräch kommen. Dem Tagungsformat geschuldet konnte ich allerdings nur von solchen Erfahrungsräumen in der Lehre an der Universität Passau berichten und anschließend mit dem interessierten Publikum darüber diskutieren, wie viel semiotischer die Lehrkräftebildung und auch die Schulbildung fächerübergreifend werden sollte. Denn dass wir uns alle angesichts einer sich wandelnden Informations- und Wissensgesellschaft in einem lebenslangen Prozess hin zur Information and Media Literacy und damit auch einer kompetenten Zeichensemiose bewegen sollten – darin waren wir uns fächerübergreifend einig.

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